Die geographische Lage des Ortes ist gekennzeichnet durch die Grenzlage zwischen Schwarzwälder Hochwald, einem Teil des Hunsrücks im Norden, und dem Prims-Hügelland im Süden. Ein Blick von einer der Höhen ringsum zeigt den auffälligen Gegensatz der Landschaft: Im Norden sieht man das enge Tal des Wadrillbachs und steil ansteigende, bewaldete Berge. Nach Süden hin öffnet sich das Tal weit. Sanfte Hügel, von Feldern und Wiesen bedeckt, prägen dort das Landschaftsbild.

Wadrill ist einer der ältesten Orte im Hochwald. Der Ortsname ist keltischen Ursprungs. Die Wörter "vad" und "ila" bedeuten "eiliges Wasser".

Die erste urkundliche Erwähnung nennt das Jahr 981, der Innhalt verweist aber in frühere Zeit. Da heißt es: Erzbischof Hetti (814-847) schenkte dem Stift St. Paulin in Trier Güter im Ort "Waderola". Diese Güter wurden dem Stift zeitweilig wieder entzogen. König Heinrich habe sie dem rechtmäßigen Besitzer zurückerstattet "mit Kirche und allem Zubehör". Die Mitwirkung des Königs bei der Rückgabe ist nicht nachweisbar. Es ist aber anzunehmen, dass sie unter Erzbischof Rutger (915-930) erfolgte.

Um 930 gab es also in Wadrill bereits eine Kirche. Der Turm dieser Kirche steht heute noch. Er ist das Denkmal der über 1000-jährigen Geschichte des Dorfes und der über viele Jahrhunderte bedeutenden Pfarrei.
Seit dem 10. Jahrhundert war die Pfarrkirche St. Martin in Wadrill das Zentrum eines Dekanates oder Landkapitels, das sich in Ost-West-Richtung von Waldrach bis ldar-Oberstein und im Süden bis Dirmingen und St. Wendel erstreckte. Eine um 1330 aufgestellte Liste nennt 43 Dörfer. Alle Geistlichen dieses Gebietes waren zur Teilnahme an der jährlichen Kapitelsversammlung in Wadrill verpflichtet. Zur Pfarrei gehörten die Filialen Sitzerath (bis 1928), die Grimburg und der einst bedeutende Ort Grenderich, der in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verlassen wurde. Seit dem 16. Jahrhundert waren auch Gusenburg und der heutige Ort Grimburg Teil der Pfarrei.

In besonders enger Verbindung mit Wadrill stand Sitzerath. Beide Dörfer bildeten zusammen die "Propstei", den Grundherrschaftsbezirk des Propstes von St. Paulin. Der Propst war aber nicht allein Grundherr in Wadrill. Wie aus einem um 1400 aufgezeichneten Weistum hervorgeht, stand dem Pfarrer ein Drittel der Zehnteinkünfte zu. Auch zwei Forsthufen sind urkundlich nachweisbar. Dort hatte der kurfürstliche Oberförster das Sagen.

Ein interessantes Erbe der mittelalterlichen Herrschaft ist in Wadrill bis heute erhalten geblieben: die Gehöferschaften, jene besondere Form der Landeigentumsgemeinschaften, die es nur im Hunsrück und Hochwald gibt. Sie sind aus der früher üblichen gemeinsamen Bewirtschaftung der Rodungshecken (Niederwaldgebiete) entstanden. Die Namen der vier Wadriller Gehöferschaften lassen die mittelalterliche Herkunft erkennen: Großzinserben - Nachkommen der einst auf der Propstei ansässigen Gehöfer; Wittumhoferben - die Vorfahren waren dem Pfarrer zu Abgaben verpflichtet; Forsthoferben - Nachkommen der auf den Forsthufen lebenden kurtrierischen Forst- und Jagdaufseher; Huferben, die weitaus kleinste Gehöferschaft - ursprünglich wohl nur das zu einem mit Sonderrechten ausgestatteten Hof gehörende Land.

Zur Sicherung der trierischen Besitzungen im südlichen Hochwald ließ Erzbischof Johann I. (1190-1212) die Grimburg erbauen, eine von sieben Landesburgen im Kurfürstentum Trier. Sie wurde um 1330 unter Erzbischof Balduin Verwaltungssitz des Amtes Grimburg, zu dem auch Wadrill gehörte.
Das 17. Jahrhundert war für den Hochwald eine Zeit voller Krieg und Elend. Besonders schlimm wütete der Dreißigjährige Krieg (1618-1648). Die Steuerliste von 1625 nennt 25 steuerpflichtige Familien in Wadrill. 1651, drei Jahre nach Kriegsende, waren es nur noch 6 Familien.

Die Geschichte Wadrills im 18. und 19. Jahrhundert ist vor allem durch einen rasanten Bevölkerungsanstieg geprägt. 1787 hatte der Ort 326 Einwohner, 1843 waren es bereits 624, die Liste von 1895 nennt 842 Bewohner. Es gab nicht genug Ackerland, um so viele Menschen zu ernähren. Viele Wadriller verließen ihre Heimat, um sich in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen. Die Zahl der Auswanderer im Zeitraum 1784-1895 liegt bei mindestens 156 Personen. Die meisten zog es nach Amerika. Von einigen ist bekannt, dass sie dort zu Wohlstand und Ansehen kamen.

Besondere Erwähnung verdient der Schieferabbau in Wadrill. Eine Rechnung der Burg Dagstuhl nenne 1442 die Lieferung von Wadriller Schiefer. Im Lagerbuch der Pfarrei heißt es: Alte Leute behaupten, die Stadt Saarlouis sei mit Wadriller "Leien" gedeckt worden. Eine Akte von 1793 handelt von der Konzessionserteilung zum Schieferabbau und berichtet von "Leienbrechern" um 1740. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Schiefergrube noch bis 1953 in Betrieb. Heute sind die ehemaligen Schieferstollen an der Straße nach Grimburg, nahe der Fischzuchtanstalt, aus Sicherheitsgründen zugemauert.

Auf eine über 300-jährige Geschichte kann auch die Schule in Wadrill zurückblicken. Erste schriftliche Nachrichten über einen "Schulmeister" sind aus dem Jahre 1684 erhalten. Er war zugleich Küster und Gerichtsschreiber. Schon in kurfürstlicher Zeit stand an der Sitzerather Straße ein Schulhaus. An gleicher Stelle wurde 1824 ein neues Schulgebäude errichtet, in dem heute der Jugendclub zu Hause ist.

Die Französische Revolution und die Kriege Napoleons veränderten die politischen Verhältnisse grundlegend. Seit dieser Zeit gehört Wadrill verwaltungsmäßig zu Wadern. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum Restkreis Merzig-Wadern, der, wie es in einem Spruch dieser Zeit hieß, "fest wie eine Hochwaldeiche" zum Reiche stand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wadrill saarländisch und gehörte bis 1959 wirtschaftlich zu Frankreich. Unmittelbar am Ortsausgang in Richtung Hermeskeil war die französische Zollstation, die deutsche war etwa 2 km weiter, bei der Einfahrt zum Grimburger Hof. Mancher Wadriller schaffte in dieser Zeit seine in Hermeskeil oder Trier gekauften Waren heimlich über Schleichwege am Felsenberg ins Saarland.

Über Jahrhunderte war das Leben in Wadrill durch die Landwirtschaft geprägt. Erste Zeichen einer Veränderung gab es vor rund hundert Jahren. Einige Wadriller fanden in den Gruben und Eisenhütten des Saarreviers neue Arbeitsplätze. Die Zahl der Bergleute und Hüttenarbeiter stieg in den folgenden Jahrzehnten ständig an. Aus dem Bauern wurde der für den Hochwald typische Arbeiterbauer, der die Landwirtschaft nur noch nebenberuflich betrieb. Da die Männer die Woche über meist in den "Schlafhäusern" am Arbeitsort blieben, mussten Frauen und Kinder die Hauptlast bei der Feldarbeit tragen. In den mageren Nachkriegsjahren waren die kleinen Bauernbetriebe noch rentabel, die Zukunft aber gehörte der Industrie. Heute gibt es in Wadrill nur noch einen hauptberuflichen Landwirt und einige "Hobbybauern".

Wadrill ist heute Stadtteil von Wadern und hat rund 1700 Einwohner. In einem sehr regen Vereinsleben findet die Tradition und kulturelle Eigenständigkeit ihren Ausdruck. Die Gemarkungsfläche umfasst 922 ha, davon sind 280 ha Gehöferschaftsland. Der Jagdbezirk um Wadrill war schon im frühen Mittelalter von großer Bedeutung. Er gilt heute als Zentrum der saarländischen Rotwildjagd.